Der Begriff "Gegenwarten" ist casilianischer Herkunft und bezeichnet die Aktivität des gegen Vergangenheit und Zukunft wartend Handelnden. Dazu bedarf es einer Dehnung der Zeit in Gegenwart, als eines zeiterlösten creativen Seins,  zwischen Vergangenheit und Zukunft.

"Das Wasser, dass du in Flüssen berührst                 "Das ICH, welches ich im Lebensfluss berühre
ist das letzte von dem was vergangen ist,                ist das letzte von dem was vergangen ist,
und das erste von dem was kommt.                        und das erste von dem was zukünftig sein wird.
Ebenso ist es mit der gegenwärtigen Zeit."               Ebenso ist es mit der gegenwartenden Zeit."

                    
        (Leonardo da Vinci 1452 - 1519)                                                     (Alliorido Casiliandro 1793 - 1859)    
                                        
Wir halten uns niemals an die Gegenwart. Wir nehmen die Zukunft voraus, da sie zu langsam kommt, gleichsam um ihren Lauf zu beschleunigen; und wir rufen die Vergangenheit zurück , um sie aufzuhalten, weil sie zu stürmisch entschwindet: so unklug sind wir , daß wir in den Zeiten umherirren, die nicht unser sind, und nicht an die einzige denken, die uns gehört; und so eitel, daß wir an die denken, die nichts mehr bedeuten, und ohne Überlegung der einzigen, die da ist entfliehen. Es ist gemeinhin die Gegenwart, die uns lästig ist. Wir verbergen sie vor unserem Blick, weil sie uns quält; und wenn sie uns willkommen ist, sind wir betrübt, sie entschwinden zu sehen. Wir versuchen sie durch die Zukunft erträglich zu machen und denken daran, das zu ordnen, was nicht in unserer Macht ist, im Hinblick auf eine Zeit, die zu erreichen wir keinerlei Sicherheit haben.

Ein jeder prüfe seine Gedanken: er wird sie alle mit der Vergangenheit oder mit der Zukunft beschäftigt finden. Wir denken fast garnicht an die Gegenwart; und wenn wir daran denken, dann nur, damit wir aus ihr eine Einsicht erlangen, um über die Zukunft zu verfügen. Die Gegenwart ist nie unser Ziel: die Vergangenheit und die Gegenwart sind unsere Mittel; die Zukunft allein ist unser Ziel.
So leben wir nie, sondern wir hoffen zu leben, und während wir uns immer in Bereitschaft halten, glücklich zu sein, ist es unvermeidlich, daß wir es nie sind.

  (Blaise Pascal  1623 - 1662)

Gegenwart ist nicht das Flüchtige und Vorübergehende, sondern das Gegenwartende und Gegenwährende. (Martin Buber)